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Freitag, 4. Mai 2012

Golfer sind Schizophren

Golfer haben bekanntlich einige Macken. Unter anderem sind sie Schizophren.
Einerseits sind sie (fast) alle geizig.
Sei es bei den Kosten für die eigenen Spielbällen. Da wird dann gerne auch mal ein ganzer Sack Bälle für ein paar Cent gekauft.
Copyright und Bildrechte Dorothea Palte http://ladys-pitch.de/

Oder auch bei den Kosten für die Bälle auf der Driving Range, da wird dann gerne auch mal eine Revolution gestartet, wenn man für 1 Euro nur noch 15 statt 20 Bälle bekommen sollen. Und dass sie kein Geld für Trainerstunden ausgeben wollen, ist auch hinlänglich sichtbar.

Andererseits geben Golfer sehr viel Geld für Technik aus. So als wäre das alles nichts, denn sie denken, dass Technik sie besser macht. Allerdings nicht die Schwung- und Schlagtechnik, sondern das ganze neumodische Schnickschnack im Schlägersortiment und im pro-Shop.

Und so entwickeln viel Golfer schnell den Hang sich zu viel zu teure Technik zu kaufen und Geld für jeden Schnickschnack auszugeben, o sinnvoll oder nicht.
Rationalität spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle. Das Motto lautet, Kaufen was neu und teuer ist, denn:
Teuer = gut!

Hauptsache teuer ist somit wohl die weit verbreitetste Form der Taktik sich und sein Spiel zu verbessern.
Der Gedanke dahinter:
Wenn man oft genug teuer einkauft, kommt am Ende auch immer wieder einmal eine Perle zutage, die einem vielleicht sogar wirklich weiterhilft. 
Aber oft wird der vermeidliche Megadeal schnell zum Fehleinkauf und spätestens nachdem man ihn ein paar Wochen durchgeschleppt hat verschwindet das Schnäppchen oft unbenutzt in den tiefen des Bags oder Spints im Club.
Aber es gibt auch den Golfer, der, egal ob sinnvoll oder nicht, die neue Technik einsetzt, denn was für einen McIlroy gut genug ist, wird bei ihm bestimmt auch (irgendwann) funktionieren.
Getreu dem Motto: 
Jetzt habe ich das Teil, jetzt spiele ich es auch.

Gewinner dieses Verhaltens sind dann die Pro Shops dieser Welt, schließlich ist die Kundenklientel in Deutschland mit ca. 600.000 aktiven Golfern eher klein, da muss man schon schauen, dass die Kunden nicht einen Satz im Leben spielen, sondern regelmässig nach- und aufrüsten. Versteht mich nicht falsch, ich bin ein Marketingmensch und verstehe sowohl die Bedürfnisse, als auch die Art und Weise, wie man Bedürfnisse beim Konsumenten weckt.

Ich hatte ja vor einigen Wochen an dieser Stelle schon versucht die Sinnhaftigkeit eines Drivers R11S  von Taylor Made zu finden und kam zu dem Schluss, dass er bei guten Spielern  genauso Sinn machen kann, wie bei Spielern mit mittlerem Handicap. Dabei musste ich in den letzten Wochen relativierend  verschiedene Dinge erkennen. Selbst bei guten Spielern ist der R11S nicht immer in den richtigen Händen. Und bei mir erst Recht nicht.
Nachdem ich den Schläger bei Hohmann Golf ausgiebig getestet hatte, wurde mir schlagartig klar, dass er nichts für mich ist. Und das ich meinen Wunsch Geld auszugeben nicht realisieren würde. Zumindest nicht jetzt und schon gar nicht dafür.
Mein Problem mit dem Driver, und es ist gerade für einen Mann sehr schwer sich das einzugestehen:
Ich bekomme ihn nicht hoch…
Also den Ball.
Er flog einfach nicht. 
Der Schläger selber fühlt sich toll an, und gefühlt war der Schaft perfekt. 
Dachte ich. 
Aber der Ball nicht und so weigerte er sich zu fliegen.
Und ein Driver, der weniger statt mehr Länge bringt, macht keinen wirklichen Sinn. Nicht mal für einen Technikfreal wie mich...
Und ich wollte dann auch keinen R11 Seniorendriver. 
Weder testen noch kaufen.
Hallo?
Seniorendriver? 
Ich?
Gehts noch?
Sooooo alt bin ich dann doch nicht.

Und deshalb habe ich ganz rational gehandelt und das Teil wieder hingestellt. Ich bin gegangen ohne mir etwas zu Kaufen. Doch. Einen Regenschirmhalter für meinen Trolly habe ich mir noch gegönnt.
Und nachdem ich in den letzten Jahren bestimmt zweimal im Regen gespielt hatte, sind die 23 Euro dafür sicherlich gerechtfertigt. 

Und da 23 Euro nicht als Kauf zählen, habe ich mir am vergangenen Wochenende endlich einen Entfernungsmesser gegönnt. Ich hatte ja lange damit geliebäugelt und da ich die Khle für den Driver (vorerst) gespart hatte, musste ich zu schlagen.
Bei meiner Längen-Kontrolle und Genauigkeit ist das Wissen um die Entfernung zur Fahne extrem wichtig...
Über mein Schnäppchen berichte ich dann aber später mehr. Ich muss jetzt erst mal los. Auf die Driving Range. Mit dem Entfernungsmesser das Entfernungseinstellen üben.
Man sieht sich...

Nur Golf bei:




PS Danke Dorothea, dass ich dein Foto benutzen durfte. Ich will damit nicht gesagt haben, dass DU dir diesen Sack Bälle gekauft und behauptet hast, damit gerade so über zwei Runden auf dem Green Eagle kommst. Habe ich nie, würde ich auch nie! Danke und ich freue mich auf eine Runde Golf mit Dir!

Freitag, 27. Januar 2012

Moderne Trainingsmethoden

Früher - als ich noch jung war, also die 70er - ging man zum Training, lief ein paar Runden zum Warmmachen, machte ein paar Spielchen, duschte, trank noch eine Cola zusammen  und fuhr dann wieder nach Hause. 
OK, bei mir bezieht sich dieses damals „nur“ auf Fußball und war zu einer Zeit, als Fernsehen noch schwarz-weiß und nicht 3D-HD-Dings war.
Als nicht jeder ein eigenes Telefon hatte, geschweige denn ein Handy.
Damals, als das Internet noch von einigen wenigen (Militärs und Forschern) genutzt wurde und man zum Berechnen einfacher Matheaufgaben noch ganze Räume brauchte, um die entsprechenden Rechnerkapazitäten unterzubringen. 
Aber es war halt damals auch "nur" Fußball, weil man in Deutschland Golfen (und auch Tennisspielen) nur dann konnte, wenn die Eltern und/oder man selber das nötige "Kleingeld" hatte.  Es war viel elitäre als heute.
Aber wir hatten zu Hause ja nichts.
Damals als gefühlt alles besser war. 
Viel besser. 
Zumindest aus der Sicht von heute, 30 Jahre später.

Damals war Training so schön einfach.
Kondition bolzen, Torschuss- und Flankentraining und dann Zack, ein Spielchen. Analog, denn die einzige Technik die es neben dem Kopfballpendel (Eine Art Galgen an der ein Ball an einer Schnur hing) gab, war die Stoppuhr des Trainers.
So eine echte. Mit Zeiger, Star-Stopp und max. Zwischenzeit.
Und für die Trainer waren "moderne" Trainingsmethoden das Anlegen von Laufzeiten.  




Heute ist das ja alles ganz anders.
Ganzheitliche Trainingsmethoden und spezielle Ernährung sind ein genauso wichtiger Bestandteil des Trainings, wie psychologische Übungen und massenhaft (Computer-)Technik. 
Im Golftraining ist Scope ja quasi ein Must, ich habe Leute auf den Ranges dieser Welt mit einem eigenem System gesehen.
OK, gebracht hat es denen auch nichts.
Und andere lassen permanent die Videokamera laufen, auch wenn die gar nicht hochauflösend und schnell genug ist, um alles wichtige filmen zu können.

Die moderne Trainingstechnik hilft, Abläufe zu simulieren und zu analysieren. 
Obwohl ein guter Trainer auch heute noch sofort und mit bloßem Auge erkennen können sollte, wenn und was ein Schüler macht.
Aber mit Hilfe der modernsten Technik kann man auch die kleinsten Feinheiten erkennen und dem Betroffenen direkt zeigen, so dass der direkt das gesehene und gezeigte umsetzen kann. Im Idealfall...
Sie wird inzwischen selbst bei Stümpern wie mir die Highspeed-Kamera und das Scope eingesetzt. Unter dem Vorwand mein Spiel verbessern zu wollen.


Aber eigentlich nur, um mir videotechnisch klar zu machen, dass ich noch Millionen von Trainerstunden brauchen werde, um auch nur ansatzweise mal einen anständigen Schwung  zu bekommen. Wenn ich mich auf diesen Videos dann sehe denke ich: Oh Gott, verkaufe deine Schläger, das wird nie etwas.
Ich fechte gefühlt ein Kampf aus, den ich eigentlich schon verloren habe. Ich bin quasi der moderne Don Quijote.


Was ich, wenn ich ehrlich mir gegenüber bin, auch ohne die Technik weiß. Nur mit gesundem Menschenverstand und einer gehörigen Portion Selbsteinschätzung.

Aber gleichzeitig zeigt man mir auch meine „Fortschritte“.
Wobei Fortschritte immer auch eine Frage der eigenen Erwartungshaltung sind.

Je geringer die (Erwartungshaltung) ist, desto größer erscheinen einem dann die Fortschritte
Und man verliert so nicht so schnell jegliche Trainings-Motivation. 
Würde ich auch sonst nicht, dafür liebe ich den Sport viel zu sehr.
Und will ihn auch noch lange ausüben. Und deshalb versuche ich jetzt, das bestmögliche anzutrainieren, um eine anständige Basis für mein Spiel zu haben


Am Ende ist das Ganze wohl nur eine moderne Form des guten alten Zirkeltrainings. 
Die Digitalisierung der handgestoppten (Lauf- und Trainings-)runden.
Nur jederzeit reproduzierbar.
Und für alle Zeiten irgendwo abgespeichert...

 So werden also Griffhaltung, Schwungebenen, Knie- und Körperhaltungen, Rück-, Durch- und Aufschwung (oder andersrum) genauesten analysiert. Und ich verbessere mich Stück für Stück.

Mühsam nährt sich das Eichhörnchen.

Aber ohne Training ginge gar nichts. 
Nur muss dieser ganze moderne Quatsch wirklich sein?
"Entscheidend is auf´m Platz", sagte mal ein berühmter (Fussball-)Trainer.
Recht hat er.
Aber ohne Training habe ich schon verloren, bevor ich überhaupt angefangen habe.
In diesem Sinne, seid schön fleißig, die nächste Saison kommt schneller als ihr denkt.
Denn früher war vielleicht alles besser. Nur mein Golfspiel nicht.  

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