Freitag, 17. August 2012

Der Kopf ist so eine Sache


„Ich kann´s“ ist der wohl bekannteste, definitiv aber kürzeste Golfwitz. Wer ihn nicht versteht, ist entweder kein Golfer oder hat kein Humor.
Ich mag diesen Spruch, denn er sagt kurz und prägnant worum es bei diesem Spiel geht.
Um Demut. Immer wenn der Golfer denkt, jetzt geht´s, gibt es direkt einen Tritt. Und das unabhängig vom Weltranglistenpositionen oder Handicaps. Dass die "Fehlschläge" des Spitzensportlers sich dabei sportlich auf einem ganz anderen Niveau befinden als die des Anfängers ist hoffentlich auch klar.
Ich war bei den GVBB Einzelmeisterschaften in Motzen Caddie bei meinem Kumpel Andre. Andre golft genauso lange wie ich (seit 2009), allerdings ist das bei ihm dann doch eine ganz andere Sportart. Da ist viel mehr Dynamik, viel mehr Länge drin als bei mir.
Das mag an meinem Alter liegen, ist aber auch Ausdruck seiner spielerischen und motorischen Fähigkeiten und seines unglaublichen Ehrgeizes und Trainingsfleißes. Was sich auch im Handicap niederschlägt.
Er spielt irgendwas bei -6, ich hingegen irgendwas bei -24… Wenn ich dann sehe, was er für Fehlschläge hält (Sockets mal außen vor): Ich würde die Schläge nehmen. Sofort. Es ist halt alles eine Frage der Betrachtung und es geht halt darum, die Qualität der „schlechten“ Schläge soweit anzuheben, dass sie erträglicher werden.  Hat der Anfänger zu Beginn Schwierigkeiten den Ball überhaupt zu treffen, wird das Vermeiden von Sockets zur Kernaufgabe des besseren Golfers. Ein Ball der hundert Meter rollt, ist kein Traumschlag, doch rollt er die 100 Meter gerade aus, ist das besser als ihn nicht zu treffen.

Vom Profi und dessen Problemen den Ball aus 200 Metern, am besten noch mit einem Eisen, an den Stock zu bekommen sind für mich kein Probleme, sondern Traumschläge außerhalb meines Vorstellungsvermögens. Über deren Probleme reden wir mal lieber nicht. Auch wenn sie ebenfalls (meistens) kopfgesteuert sind.
Spannend ist dann auch zu sehen, wie wir mit diesen Rückschlägen auf dem Platz umgehen. Der eine hadert leise, der andere lauthals. Der eine steckt den Fehlschlag schneller weg, der andere braucht  dafür mehrere Bahnen (die dann meistens auch nicht gut laufen). Je schneller wir diese Rückschläge vergessen, desto schneller wird sich unser Spiel verbessern. Unabhängig von Längen.
Wenn es nicht gelingt den Kopf frei zu bekommen, geht der Score gnadenlos in die Hose. Zu denken man kommt ganz ohne Fehlschläge über die Runde ist zu dem ein Wunschtraum und wahrscheinlich Motivation für jeden Golfer. Aber auch genauso realistisch wie der Wunsch nach Weltfrieden. Es nahe an die Perfektion zu bringen ist das Maximum für den Profi. Es nahe an die eigene Höchstleistung zu bringen, die des Amateurs.
Ein guter Bekannter, Alex - Nur Golf, hat letzte Woche "gejammert", weil er (wohl immer noch Hdcp -54) immer noch Bälle verliert. Dem konnte ich nichts erwidern, außer, dass es uns allen so geht. Das es bei einer Runde Golf, abgesehen von dem Spaß und der netten Kommunikation, auch immer ums Zusammenhalten geht.Nicht nur menschlich, sondern auch beim Score. Das man immer Löcher hat in die man fällt (und wo man keine Stableford-Punkte sammelt) und dann wieder Löcher hat, wo es geht. Wichtig ist es, den Kopf wieder frei zu bekommen, sonst wird das ganze schnell zu einer "Runde des Grauens". Und manchmal sieht man sein Unheil kommen und kann nichts dagegen machen. So wie mein Kumpel am Samstag. Am Ende stand eine Runde zum Vergessen. Bei Zählspiel wird das halt noch schlimmer, da kann man nicht "aufheben". Man kann nur hoffen, dass es beim nächsten Schlag/ am nächsten Tage wieder geht. 
Andre am Sonntag am Grün der 17, als alles schon zu spät war.
Ging es bei ihm auch, weil wir vorher beschlossen haben, den Driver stecken zu lassen und mit dem Eisen 4 vom Abschlag zu arbeiten. Auf einmal traf er Fairways und spielte gutes Golf. Doch irgendwann war da wieder der Gedanke "Ich kann es ".
Und ja, er kann es. Sein Drive an der 11 war fast 300 Meter. An der 12 war der Drive dann auch 300 Meter, allerdings 250 Meter geradeaus, 50 Meter Links ins fetteste Rough. Und der Ball war weg und die Bahn war weg und die guten Gedanken waren weg. Dafür waren die ganzen Zweifel vom Samstag wieder da. Und der Frust und die Wut. Alles keine guten Berater für eine gute Runde Golf. und so war am Ende die bis dahin sehr ordentliche Runde weg und damit auch das Turnier. Ob es nur der eine Drive war, weiß ich nicht. Aber für mich war das der Anfang vom Ende einer guten Runde.
Mal abgesehen davon, dass die Scores auf diesem traumhaften, aber durch das Rough sehr scheren Platz generell eher hoch waren.
Wichtig ist es, zu akzeptieren, dass das was eben noch klappte, auf einmal nicht mehr klappen kann. Andererseits aber im positiven Sinne das wieder klappt, was eben noch nicht ging. Alles aber wohl nur machbar, wenn man denn den Kopf frei bekommt und sich nur auf den nächsten Schlag fokussieren kann. Und wenn die Grundausrichtung im Kopf positiv ist.
Doch wer das alles zu positiv nimmt liegt genauso schnell daneben, wie die, die denken „Ich kann´s“.


Nur Golf bei:

Kommentare:

  1. Endlich mal wieder ein Blog hier mit dem ich halbwegs was anfangen kann.Sicher ist es so das dir ein Schlag, oder mehrere hintereinander, die ganze Runde verhageln kann wenn du ihn nicht ausblendest! Ist mir am Sonntag auch wieder so passiert . Nach einem für meine Verhältnisse sehr gutem Start mit einem Bogey (Par 5) und einem Doppelbogey ( Par 4) habe ich am am nachfolgenden Par 3 2 Teeshots hintereinander in Rough gesetzt! Das ich die nicht wiederfinde war mir von vorneherein klar! Dann den nächsten viel zu kurz gelassen, die Annäherung aufs green + ein Dreiputt = / ! Schon war das ganze gute Feeling wieder weg und der Rest der Runde mehr oder weniger im Eimer! Negative Gedanken sind scheiße !!! Gruß Matthias

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  2. Der großartige Jack Nicklaus sagte mal stellvertretend für alle Profigolfer (keiner hat widersprochen): "Auf einer Golfrunde mache ich höchstens 1-2 gute Schläge!" Dabei spielt es für ihn keine Rolle ob er eine 63 oder 79 gespielt hat. 2 Gute Schläge! Reflektiert mal eure letzten Golfrunden und wenn ihr ehrlich mit euch seid kommt der Hobbygolfer auch auf maximal 2 gute Schläge.

    Die Kunst ist es nicht gut zu spielen sondern nur nicht so richtig schlecht. Das macht Golf neben aller Faszination so frustrierend. Dabei hilft es uns das wenn wir stablefort spielen einfach mal aufhören können. Das hilft deutlich, Ein Strich fühlt sich für mich deutlich besser an als eine 12!

    Golf macht demütig. Jeder geht mit den Misshits anders um, ich zum Beispiel bin im Prinzip ein ausgeglichener Mensch. Bei einem richtigen Misshit werde ich aber schon mal laut, ich habe auch schon Schläger zerbrochen oder Schläger ins Wasser geworfen. Danach geht es mir aber wieder gut, die Runde geht dann befreit weiter.

    Wie gesagt jeder wie er mag und ich bin auch schon ruhiger.

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  3. Vergangenen Freitag.
    Jungensenioren-Challenge-Cup.
    Spieltag 1.
    Ich durfte, weil Netto, mitspielen.
    Und obwohl ich viele Jahre Fußball gespielt habe, war ich nervös. Weil ich wusste, 6 der 8 Spieler werden gewertet. Und ich nicht der Streicher sein wollte.
    Und so habe ich schon nach 5 Bahnen 4 Punkte hinten gelegen (6 Punkte...).
    Ok, die Fahnenpositionen waren wirklich alle super schwer, aber ich habe sieben Dreiputts gespielt. Sieben...
    Aber nach fünf Bahnen und einem erneuten Dreiputt (mein Par-Putt aus 8 Metern ging einen knappen Meter rechts (unglaublich viel Break), den habe ich dann vorbeigespielt, wurde ich ruhiger.
    Etwas.
    Aber immer wenn ich wiede auf Neto-Square lag, kam der nächste Labsus.
    Meistens wieder ein unsäglicher Dreiputt...
    Und das alles, nachdem auf der Range und beim Einputten alles wirklich gut lief...
    Aber es war immer der Gedanke da: Du musst fürs Team viele Punkte holen.
    Am Ende hatte ich 35 Punkte, war bei weitem kein Streicher und wir wurden mit 210 Nettopunkten (bei 6 gewerteten Spielern) Vierter von 14.
    Und ich darf wieder kommen.
    Sagte man mit.
    Und ich werde wiederkommen.
    Denn das war nochmal eine ganz andere Art als im Einzel.
    Und ich werde hier auch noch darüber schreiben.
    Was ich sagen will:
    Der Kopf war der Grund dafür, dass ich keine 42 Punkte gespielt habe. Aber immer wenn ich den ausgeschaltet bekam, war ich auf dem Wege dahin.

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  4. Zu Andre noch ein Satz. Drei Tage nach diesem WE zum Vergessen spielt er bei einem Turnier in seinem Heimatclub Phoeben eine 75 (3 Bogeys, der Rest alles Par!) und sich damit mit 41 Nettopunkten auf Hdcp -5,6 runter.
    Glückwunsch!

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